Hallo Turkmenistan

Turkmenistan: 06.10.2016 – 11.10.2016

ROUTE_Turkmenistan_2016_fertig

 

Gefahrene Kilometer: 1.180 Km
 700 Motorrad-Km, ca. 480 Zug-Km
Wetter: Sonnenschein pur. Kein Regentag.
Währung: Turkmenischer Manat (TMT)
Umrechnungskurs: 1€ = 3,6 TMT
Benzinpreis:
 zw.0,25 und 0,29 €

 

 

Schon 2 Tage vor Übertritt nach Turkmenistan konnten wir nicht besonders gut schlafen, waren nervös und aufgeregt.
Wir fragten uns ob uns die Turkmenen mit einem defekten Motorrad überhaupt ins Land lassen würden.
Und was würden wir tun wenn nicht?
Und wie sollten wir das Motorrad überhaupt in nur 5 Tagen durch das Land bekommen?

Fragen über Fragen auf welche wir keine Antwort hatten.
Und so hieß es abwarten – Warten auf das Kommenden.

>> Um 8 Uhr morgens standen wir an der Grenze zu Turkmenistan – auf Usbekischer Seite.

Die Nacht zuvor hatten wir bei einer usbekischen Familie verbracht.
Eigentlich wollten wir nur unsere Zelt im Garten der Familie aufstellen – doch wir wurden ins Haus gebeten. Es wurde gekocht, getrunken, gelacht.
Wir bekamen Fotos und Filme von Hochzeit und Geburt des Enkels gezeigt.
Es war eine extrem netter Abend – unser letzter Abend in Usbekistan – in einem Land, mit welchem wir uns nicht unbedingt anfreunden konnten.

>> Um 10:00 Uhr standen wir noch immer am gleichen Platz, zwar schon hinter dem Schranken, wartend auf eine Versicherungsmakler.
Denn bei Ausreise wurden wir nach unsere KFZ- Versicherung für Usbekistan gefragt. Hatten wir nicht.
Wussten wir nicht.
Hatten keine abgeschlossen.
Keiner wollte uns bei Grenzübertritt eine verkaufen oder weiß uns darauf hin das die Pflicht sei.
Den Erwerb der Versicherung mussten wir somit bei der Ausreise, da uns ansonsten die Weiterreise nicht gestattet gewesen wäre.

Für 10$ pro Bike kaufen wir also eine nachträglich Versicherung.
Erst dann konnte die Ausreise bewilligt und der Stempel gesetzt werden.

Wir schleppten uns – Davids Maschine am Seil – zum turkmenischen Schlagbaum und hofften das Beste.
Der Schranken wurde geöffnet und wir durften passieren.

we2r_turkmenistan_motorrad_35

An verschiedenen Stellen mussten wir nun Papiere ausfüllen, wurden über die vorgegeben Route informiert, und bezahlten ca. 60$ pro Person für die Einreise.
: Unser Gepäck wurde nicht kontrolliert – ebenfalls keine Laptop-Kontrolle.
: Die Handys wurden nach verdächtigen Bildern durchsucht und nach Dorgenbesitzt wurden wir gefragt.
: Der Pudel-Spürhund drehte eine Rund ums Motorrad und schon wurden wir weitergewunken.

Stempel. Zack. Und drinnen!
Wir waren also tatsächlich in Turkmenistan.

: Mit einem kaputten Motorrad.
: 5 Tage Transit Visum.
: Vorgeben Route, welche wir nicht verlassen dürften, da ansonsten Strafen drohten.

Wir fuhren in die nächste Stadt – suchten den Bahnhof auf, da wir die Hoffnung hatten das wir per Bahn quer durchs Land nach Ashgabat, der Hauptstadt Turkmenistans, fahren konnten.
Und tatsächlich – die Möglichkeit bestand. Nur fuhr der Zug in 45 Minuten ab.
STRESSSSS!!!

Ohne Hilfe unsere lieben Sogul – ein 20 jährige ein wenig English, ein wenig Deutsch sprechende Turkmenin, half uns wo sie nur konnte – hätten wir es sicherlich nicht mehr an diesem Tag geschafft!
Sie kaufte das Personenticket, organisierte die Tickes für die Motorräder, kommunizierte mit den Schaffner und Zugpersonal und Verlademeister, teile uns mit wo wir zu verladen hatten, versorgte uns mit Essen und Trinken. 🙂

Nach 44 Minuten hatten wir es unglaublicherweise wirklich geschafft das Motorrad zu verladen und uns in dad gebuchte Zugabteil zu begeben.

1 Minute bevor der GONG zur Abfahrt ertönte.

>> Wer wissen möchte wie man 2.350 Kilo schwere Maschinen in das Frachtabteil eines turkmenischen Zuges – OHNE LADERAMPE – bekommt: BITTE HIER KLICKEN!

Wir waren geschafft!
Wir hatten es geschafft!!
Wir waren auf dem Weg nach Ashgabe – der 800 Kilometer entfernt liegenden Stadt, in welcher wir 12 Stunden später – um 7:00 Uhr Morgens – ankommen sollten.

Nach der Ankunft in der weißen Stadt erfuhren wir durch Zufall, dass wir die defekte Maschine doch zu BMW bringen sollten.
WIE? BMW? WAS? Wovon spricht dieser Mann??
Wir hatten im Internet recherchiert – einen BMW Händler gibt es hier nicht!
Wir hatten bei BMW Österreich und Deutschland nachgefragt wo der nächste Händler sein. In der Türkei teilten sie uns mit. Oder im Oman. Oder Kasachstan.
Wir wollten es selbst herausfinden und fuhren mit dem Taxi zur genannten BMW Händler Adresse.

Die Motorräder ließen wir am Bahnhof stehen.

Wir staunten nicht schlecht als wir wirklich vor einem wirklichen BMW Geschäft – original aussehend – standen. Es war keine kleine Bude im Hinterhof eines Hinterhofes.
Es war ein Händler mit Schauraum, Verkaufsraum, top Ausgestatteten Werkstatt.

Wir schöpften Hoffnung!!

Nach dem Gespräch mit dem Chef war klar, das Motorrad kommt hierher. Die Männer müssen versuchen den Fehler zu finden.
Gesagt – getan.

Und ab diesem Zeitpunkt organisierte der BMW Chef alles für uns.
: Transport des Motorrades: vom Bahnhof zu BMW
: Unterkunft: wir durften im Konferenzraum schlafen
: Verpflegung: uns wurde erlaubt im Restaurant zu essen – ohne zu bezahlen. und wir durften dien Küche von BMW selbst benutzten.
: Reparatur der Maschine: es wurde 3 Tage lang alles versucht um die Kiste wieder zum Laufen zu bringen. Leider erfolglos.

Am letzten Tag wurde aber immerhin der Verdacht auf „Defekte Ringantenne“ bestätigt.

Um das Problem zu beheben, würden wir nun eben eine solche neue Ringantenne benötigen.
Als Ersatzteil hatten wir diese leider nicht dabei.
Glück für uns das der Präsident des Landes aber von einer BMW Motorrad-Eskorte begleitet wird.
Und der BMW Händler bei welchem wir uns eben befanden für die Wartung dieser Eskorte Maschinen zuständig war.
Noch besser: 3 Maschinen befanden sich zur Zeit sogar im Haus.

Und so beschloss der BMW Chef: Entfernt die Ringantenne an einem Esskorte-Fahrzeug und setzt diese an Davids Maschine wieder ein.

Unglaublich!!

Es wurde geflext, gebohrt, gekämmter um die Antenne aus dem Polizei-Motorrad zu bekommen.
Kurz vor 12:00 Uhr am letzten Tag des Visums ware es dann soweit – die Ringantenne war beim einen Motorrad aus und beim Anderen eingebaut.

JUHU!!
Startversucht: KEINE REAKTION!!
OH NEIN!!

Nach kurzem Überlegen telefonierte der BMW Chef mit einem seiner zahlreichen Kontakte.
In diesem Fall war es ein Chip-Tuner-Meister-der-Umprogrammierung.
Wenn er es nicht richten könne, dann würden wir einen LKW zur iranischen Grenze bestellen müssen.

Er war also die letzte Hoffnung.

Er kam, sah sich die Sache an, programmierte etwas am PC, steckte ihn an die Maschine. Keine Ahnung was er machte – aber was er machte war mehr als Richtigt!

DENN: STARTVERSUCH NUMMER 2: FUNKTIONIERTE!!!!!
Die MASCHINE STARTETE!!!!!
Das Problem war behoben!!!!
UNFASSBAR!!!!!
WIR WAREN sooooo glücklich!!!
Sprachlos!!!

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Es war 14:00 Uhr – die Grenze schloss um 16:20 Uhr.
Wir mussten los. Wir rollten los mit einem dicken Grinsen im Gesicht!
Dieses Glücksgefühl hielt jedoch nur 3 Minuten an – denn dann blinken alle Warnleuten an Davids Motorrad ROT.
Das Wasser kochte über – die Maschine überhitzte – die Maschine schaltete sich aus!
WASSSSS??
NEIINNNN ??

David erkannte das Problem sofort – durch den vorherigen Ausbau und Überprüfung des Startet, musste das Kühlerwasser abgelassen werden.
Und das dieses Wasser nur wieder bei laufenden, warmen, Motor gefüllt bzw. entlüftet werden kann, wurde einfach vergessen, das Wasser wieder aufzufüllen.

OH MANNN !!!!???

Stehnbleiben, Verkleidung ab, Wasser rein, entlüften, Verkleidung rauf und Weiter!!!
Wir mussten zur Grenze.
Welche wir ca. 1 Stunde später, ohne weiteren Zwischenfälle, mit zwei fahrenden Maschine erreichten.
Was waren wir erleichtert, als wir die Grenzhäuser zur Gesicht bekamen und wir glücklich unseren Pass durchs Zöllnerhäuschen reichten.

Die Ausreise gestaltet sich sehr einfach.
Erneut: keine Fragen, keine Kontrollen.
„Hope you enjoyed Turkmenistan“ – rief uns der Zöllner, beim verlassen des Landes zu.
„Enjoy“ – Genuss!
Naja .. unser Aufenthalt war eher von Stress und Anspannung und Ungewissheit geprägt.
5 Tage waren einfach zu kurz um das Land kennen zu lernen.

Um zu glücklicher sind wir uns entschieden zu haben, während Davids Motorrad bei BMW zur Reparatur stand, 400 Kilometer zurück ins Landesinnere, zurück in die Wüste gefahren zu sein.
Denn dort, in der Nähe von Davaz befand es sich: die Sehenswürdigkeit Turkeninstans: der ewig brennen Gaskrater. Ein brennendes Loch in mitten der Wüste.
Unbeschreiblich schön!

Der Weg zum Loch war anstrengend – denn es musste durch weichen, losen Sand navigiert werden.
Die Anstrengung hat sich aber auf jeden Fall gelohnt!!

Wir schlagen das Zelt am Rande des Gaskraters auf und genießen. Faszinierend!
Am nächsten Morgen fahren wir zurück nach Ashgabat und erkunden die weiße Stadt.
Weißer Mamor und Gold sind die dominierenden Farben dieser Stadt in der Wüste. Hochhäuser, Kuppelbauten, Glasfassaden… wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

5 Tage. 1180 Km: 700 Motorrad-Km, ca. 480 Zug-Km.
Sehr, sehr schade — gerne wären wir länger geblieben, denn die Turkmenen sind einfach toll. Unglaublich freundlich, hilfsbereit, herzlich, offen.
Wir werden zum Essen eingeladen, Brot, Äpfel, Kekse, Honig bekommen wir geschenkt, Schlafplätze werden angeboten: 10000 helfenden Hände!
Wir sind sicher, wir kommen wieder – dann aber mit einem Touristen-Visa, mehr Zeit und einem funktionierenden Motorrad.

Wir werden auf jeden Fall nach Turkmenistan zurückkommen um mehr vom Land selbst zu sehen und mit Menschen in Kontakt zu treten.
Wir waren begeistert vom Staat in der Wüste. Die Menschen waren extrem freundliche und schenkten uns Obst, Brot, Süßigkeiten …

Von der Hilfsbereitschaft der Turkmenen waren wir fasziniert: angefangen bei Somgul unserer lieben Hilfe betreffend Zug – über die Menschen die uns verschiedenes schenken und uns einluden – bis hin zur ganzen BMW Truppe, die bis zum Schluss nicht aufgaben.
DANKE!!!!

 

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